La favola del borgo Balestrino

Die Geschichte eines kleinen verlassenen Dorfes in Ligurien . . . 

. . . auf der Rückreise von Triora nach Deutschland hatte ich noch das Dorf Balestrino in der Nähe von Savona auf dem Zettel. Es ist ein im Web anerkannter Lost Place. Ich hatte mir drei Tage Zeit einkalkuliert und zunächst einen Sonnenaufgang festgehalten . . . 

. . . dann wollte ich einen Rundgang durch das Dorf machen, und dann gab es eine böse Überraschung: Das Dorf ist wegen Einsturzgefahr hermetisch abgeriegelt ! ! ! Das war's, dachte ich mir und dann traf ich Mimi . . .  

Ciao, ich bin Mimi, und wohne hier mit meiner Freundin . . . sie müsste eigentlich gleich hier sein. Nein, man kann es nicht mehr betreten, es ist zu gefährlich und ausserdem verschlossen. OK, wenn du sehr, sehr vorsichtig bist, auf ganz leisen Sohlen . . . dann komm' . . . 

. . . wie schon erwähnt, es war einmal ein schönes kleines Dorf. Die Menschen hatten es nicht leicht, waren aber zufrieden. Einige allerdings wollten hoch hinaus, höher als das Schloß, unter dem sie sich angesiedelt hatten. Man munkelt, sie hätten auch so ihre Probleme mit dem Marquis gehabt, der aber auf dem Schloss residierte. Wie auch immer, einige entschieden, sich ein neues Dorf über dem Schloß zu bauen . . . 

. . . das Problem war allerdings, sie hatten nicht genügend Baumaterial.. Einen Baumarkt gab es damals noch nicht, also nahmen sie einfach Steine und Ziegel aus dem alten Dorf mit . . . 

. . . damit begann das eigentliche Problem. Bei jedem Regen sickerte das Wasser durch die Dächer, und es regnete und regnete . . .

. . . die Wände der Häuser sogen sich nach und nach voll Wasser, begannen zu schimmeln und manche hielten dem nicht mehr Stand und stürzten ein . . . 

. . . da bliebt den anderen Bewohnern gar nichts anderes übrig, als ebenfalls eine neue Bleibe zu suchen und verließen nach und nach ihre Häuser . . . 

. . . komm' rein, hier wohne ich zur Zeit, aber vorsichtig . . . 

. . . in dem Körbchen schlafen wir . . . 

. . . vor der Kirche war die Piazza . . . 

. . . vor der Schule gingen die Kinder damals zuerst einmal zur Andacht . . .  

. . . danach vermutlich zum zum Bäcker, das weiß ich jetzt nicht mehr ganz genau . . . 

. . . hier wurde das Brot gebacken . . . 

. . . und dann gingen sie gegenüber zur alten Schule, jeden Tag, ausser am Sonntag oder in den Ferien, ja das gab es damals auch schon . . . 

. . . in diesem Klassenzimmer gab es sogar ein Waschbecken, und dahinter das Klo . . . 

. . . aber wie schon gesagt, die Häuser wurden immer morbider, und so sind auch die letzen Menschen hier weggezogen . . . 

. . . dann kamen viele Neugierige, Fotografen, Filmemacher benutzten die Piazza als Kulisse, jugendliche Sprayer beschmierten Wände - keine Künstler reine Schmierfinken. Ja, und dann gab es noch die absoluten Arschlöcher, die meinten, das Gelände sei ideal für Motocross Rennen . . .   

. . . die Leute wurden immer unvernünftiger, und die Kommune entschloss sich daraufhin, das Dorf zu verschliessen. Mit viel Geld der EU wurde zwar noch eine Kanalisation gebaut, damit das Wasser besser abfliessen konnte, auch Stützwände wurden gebaut, aber irgendwie war es dann doch zu spät . . . 

. . . die Kirche wird wohl als nächstes einstürzen, die Sakristei ist es schon . . . 

. . . ahh, da kommt sie ja. ich muss dann 'mal. Wir sind bei der Signora zu Essen eingeladen. Du kannst ja noch ein paar Fotos von aussen machen, du scheinst ja ein gutes Tele zu haben. Vielleicht sehen wir uns wieder einmal, mach's gut . . . 

Ja, das war mein kleiner Ausflug mit Mimi. Ich habe dann wirklich noch ein paar "Aussenaufnahmen" gemacht, bin dann aber auch zum Essen gegangen. Vielleicht waren das jetzt die letzten Bilder von dem Borgo, es ist wirklich sehr marode und einsturzgefährdet. Von ausser wird man es schon noch länger fotografieren können, aber eine gute Ausrüstung sollte man schon haben - mit einem Smartphone kommt man da eh nicht sehr weit, wobei es mir persönlich wohl immer ein Rätsel bleiben wird, wie man ein Phone als Fotoapparat bezeichnen kann . . .